Das Europäische Känozoische Grabensystem (EKG)

Der Oberrheingraben steht nicht alleine da. Er ist das prominenteste Mitglied des Europäischen Känozoischen Grabensystems (EKG). Peter A. Ziegler hat es ab 1990 beschrieben und später den Namen "European Cenozoic Rift System" geprägt. Es besteht aus einer Reihe von tektonischen Gräben, die quer durch West- und Mitteleuropa ziehen. Sie sind im Känozoikum, der Erdneuzeit, entstanden, dem Zeitraum der letzten 65 Millionen Jahre.

Abb. 1: Karte des Europäischen Känozoischen Grabensystems (EKG)

kleine Karte des EKG

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Neben dem Oberrheingraben gehören der Niederrheingraben, die Hessische Senke, der Eger-, der Bresse- und der Limagnegraben sowie eine Reihe kleinerer Gräben im Löwengolf des Mittelmeers zum EKG. Alle diese Gräben entstanden durch Dehnung der Erdkruste senkrecht zur Längsachse der Gräben. Die oft kilometertief absinkenden Gräben wurden mit Sedimenten (Ton, Mergel, Sand und Kies) aus ihrer Umgebung aufgefüllt (Sedimentbecken). Die genaue Lage der Gräben wird oft durch ältere Bruchstrukturen in der Erdkruste bestimmt. Die Absenkung der meisten Gräben beginnt in der Eozän-Zeit, nur der Egergraben startet etwas später und sinkt dann auch nicht so tief ab.

Neben den Gräben gehören eine Reihe von großen Störungen (Brüchen) zu diesem Grabensystem. Sie durchziehen Europa oft über jeweils mehrere hundert Kilometer Länge. Entlang dieser Störungen haben sich Gesteine der Erdkruste gegeneinander verschoben. Die Abbildung 1 zeigt eine Karte dieser Strukturen.

Das Europäische Känozoische Grabensystem entstand zur gleichen Zeit wie die jungen Faltengebirge der Alpen und Pyrenäen und das Grabensystem liegt im Vorland von Alpen und Pyrenäen. Es liegt deshalb nahe anzunehmen, dass die Bildung des Grabensystems mit der Bildung der Faltengebirge ursächlich zusammenhängt. Es besteht jedoch ein fundamentaler Unterschied bei der Entstehung von Faltengebirgen und Gräben: Faltengebirge entstehen durch das Zusammenschieben der Erdkruste, Gräben entstehen durch das Auseinanderzerren der Erdkruste.

Die Gräben des EKG liegen im Bereich des alten variskischen Faltengebirges, das in der Unterkarbonzeit zusammengeschoben wurde. Das variskische Faltengebirge bildet die Basis der Mittelgebirgs-Landschaft und wird oft von flach liegenden jüngeren Gesteinen, dem Deckgebirge, zugedeckt. Aus dieser Formulierung erkennt man, dass Geologen unter einem Gebirge nicht die Ansammlung hoher Berge verstehen, auf die man hinaufsteigen kann, sondern einfach eine Gruppe zusammengehörender Gesteine, ganz unabhängig von ihrer Höhenlage.

In Südost-Frankreich erstrecken sich die Gräben parallel zur Deformationsfront der Alpen.

Die Grabenbildung wird von Vulkanismus begleitet.

Das Nordende des Bressegraben ist über ein Störungssystem mit dem Südende des Oberrheingrabens verbunden.

 

 

Der Oberrheingraben
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