Paläogeographie

Die Paläogeographie ist eine Disziplin der Geologie. Sie versucht die Landschaft vor Jahrmillionen auf einer Karte darzustellen. Als grundlegende Informationsquelle stehen dafür Ablagerungs-Gesteine (Sedimente) zur Verfügung, die in Senken auf den Kontinenten oder im Meer abgelagert wurden. Im umgebenden Bergland wird die Erdoberfläche abgetragen (erodiert) und das Lockermaterial über Flüsse in die Senken und das Meer transportiert.

Aus der kartenmäßigen Darstellung von Abtragungs- und Ablagerungs-Gebieten können weitergehende Schlüsse gezogen werden. Abtragungsgebiete sind Bergländer, die generell gehoben werden, die Ablagerungsgebiete sinken ab oder werden als tiefliegende Gebiete vom steigenden Weltmeer überflutet. Das Heben und Absenken der Erdoberfläche hat seine Ursache im Erdinnern. Aus der äußeren Form der Senken und Hochgebiete kann auf die Vorgänge im Erdinnern geschlossen werden. Das Ausmaß der Absenkung kann man über die Dicke (Mächtigkeit) der Ablagerungs-Gesteine annähernd ermitteln.

Für die Entstehung des Oberrheingrabens ist es nun interessant zu prüfen, ob sich schon vor der eigentlichen tertiär-zeitlichen Grabenbildung eine Absenkung im späteren Grabenbereich bemerkbar macht. Boigk & Schöneich (1974) haben deshalb sechs paläogeographische Karten für die Zeitabschnitte Rotliegend, Zechstein, Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und Lias entworfen. In der geologischen Zeitskala (Abb. 1) sind diese Zeitabschnitte dargestellt.

Abb. 1 : Geologische Zeitskala für das germanische Becken. Zeitangaben nach der stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002 (STD 2002).

Das hier behandelte Gebiet mit seinen typischen Gesteinen wird germanisches Becken genannt. Es steht im Gegensatz zum Ablagerungsgebiet des alten Ozeans Tethys, in dem zur gleichen Zeit ganz andere Gesteine abgelagert wurden. Beim späteren Zusammenstoß der Kontinente Europa und Afrika (Gebirgsbildung der Alpen) wurden Gesteine der Tethys über Gesteine des germanischen Beckens geschoben.

Im Zeitraum Oberer Jura, Kreide und unterstes Tertiär war der Bereich um den Oberrheingraben Abtragungsgebiet, so dass aus diesem Zeitabschnitt keine auswertbaren Sedimentgesteine überliefert sind.

Für die nachfolgenden paläogeographischen Karten wurde die Mächtigkeit der ehemals abgelagerten Gesteine rekonstruiert. Dies geschieht durch geologische Kartierung der jetzt vorhandenen Mächtigkeiten und die Berücksichtigung nicht mehr vorhandener, bereits abgetragener Gesteinsschichten.

Zur Orientierung sind auf den paläogeographischen Karten heutige Städte, Flüsse, Gebirge, Küsten sowie Längen- und Breitengrade angegeben.

Die Senken werden auch Becken, Tröge oder Buchten genannt. Schwellen sind langgestreckte Hochgebiete, die entweder ständig abgetragen werden oder auf denen nur eine geringere Sedimentation stattfindet als in der Umgebung. Andere Bezeichungen für die Hochgebiete sind "Land" oder "Scholle". Ein grundlegender Unterschied zwischen diesen verschiedenen Bezeichnungen besteht nicht.

Zu den einzelnen Karten (von alt nach jung):
(1) Rotliegend-Zeit
(2) Zechstein-Zeit
(3) Buntsandstein-Zeit
(4) Muschelkalk-Zeit
(5) Keuper-Zeit
(6) Lias-Zeit

Der Oberrheingraben
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